Die Blume, die den Toten in Mexiko den Weg weist
Zum Tag der Toten in Mexiko schmückt die Cempasúchil-Blume Altäre, Friedhöfe und Prozessionen. Seit Jahrhunderten symbolisiert sie die Verbindung zwischen den Lebenden und den Verstorbenen.

Bergeweise Blumen
In Mexiko laufen die Vorbereitungen zum Tag der Toten auf Hochtouren, das strahlende Orange der mexikanischen Studentenblume ist allgegenwärtig. Die Blüten schmücken Kränze, Girlanden und Kostüme. Auf Altären und Schreinen werden sie zur Dekoration verwendet. Ihre leuchtende Farbe und ihr starker Duft betören der Legende nach sogar die Toten und führen sie sicher zurück in die Welt der Lebenden.
Pfade für die Seelen der Toten
Der Tag der Toten (Día de Muertos) ist einer der bedeutendsten Feiertage Mexikos. Der Tradition zufolge kehren die Seelen der Verstorbenen einmal im Jahr in die Welt der Lebenden zurück. Mit Blütenblättern ausgelegte Pfade sowie persönliche Altäre mit Kerzen, Fotos und vertrauten Gegenständen sollen ihnen den Weg zu ihren Familien weisen.
Aztekische Tradition
Der Totenkult in Mexiko reicht bis in die Zeit der Azteken zurück und gehört seit 2003 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Im Zentrum steht nicht die Trauer um die Verstorbenen, sondern die Vorstellung, dass die Verbindung zwischen den Lebenden und ihren Ahnen fortbesteht.
Die Cempasúchil-Blume
Die mexikanische Studentenblume (Tagetes erecta) war in Mexiko schon zur Zeit der Azteken verbreitet. Blumen haben für viele Menschen weltweit eine besondere kulturelle Bedeutung, von Lotusblüten in buddhistischen Traditionen über die Kirschblüte in Japan bis hin zu Rosen, die in vielen Ländern als Symbol der Liebe gelten.
Blumenernte zum Feiertag
In der aztekischen Sprache war die Cempasúchil-Blume als Nahuatl bekannt, was übersetzt "Blume mit 20 Blütenblättern" bedeutet. Angebaut wird die Pflanze in der Regenzeit zwischen Mai und Juli. Mexikanische Bauern ziehen die saisonalen Blumen auf ihren Feldern, sodass sie rechtzeitig im Oktober geerntet werden können. Für viele Landwirte stellt der Anbau eine wichtige Einnahmequelle dar.
Touristenmagnet Ringelblume
Zum Auftakt der Feierlichkeiten findet in Mexiko-Stadt eine große Cempasúchil-Blumenmesse statt, eine Attraktion für Touristen aus dem In- und Ausland. Der Tag der Toten in Mexiko ist inzwischen ein weltbekanntes Spektakel. Überall leuchten die charakteristischen mexikanischen Studentenblume in kräftigem Orange, warmen Goldtönen und strahlendem Gelb.
Stoff für blumige Legenden
Einer populären mexikanischen Legende zufolge entstand die Cempasúchil-Blume aus der Liebe der jungen Xóchitl zu dem Krieger Huitzilin, die bis über den Tod hinaus reichte. Bis heute gilt sie als Symbol und Wegweiser für die Verbindung zwischen den Lebenden und den Toten. Historisch konnte die Legende jedoch nicht eindeutig bis in die vorspanische Zeit zurückverfolgt werden.