Kampf gegen die Trockenheit: Ungarns Wasserwächter
Rekorddürren bedrohen die Landwirtschaft und den Betrieb des einzigen Atomkraftwerks im Land. Nun kämpfen Freiwillige mit künstlichen Biberdämmen gegen die Austrocknung - eine radikale Kehrtwende im Wassermanagement.

Massiver Mangel
Niedrigwasser im Valence-See, dem drittgrößtem See Ungarns: Die extreme Sommerdürre hat zu historischen Tiefständen der Gewässer im Land geführt. Zum ersten Mal musste das Atomkraftwerk Paks, der einzige Kernreaktor Ungarns, im Sommer abgeschaltet werden, weil die Donau zu wenig Wasser zur Kühlung führte. Eine massive Energiekrise war die Folge.
Ackern gegen die Austrocknung
Hoch den Spaten: Mitglieder der Freiwilligenorganisation "Wasserwächter" heben nahe Budapest Gräben aus, damit Regenwasser besser gespeichert werden kann. Im ganzen Land helfen Hunderte Freiwillige beim Bau von Strukturen zur Rückhaltung von Regenwasser und zur Wiederherstellung von Feuchtgebieten - um Ungarn besser an den Klimawandel anzupassen.
Bauen wie die Biber
Eine Freiwillige trägt Totholz heran: Die "Wasserwächter" bauen eigenhändig Biberdämme über Bäche und Wasserläufe, um selbst kleine Rinnsale zu stauen und das kostbare Wasser in der Landschaft zu halten - und Ungarn auf eine möglicherweise noch heißere und trockenere Zukunft vorzubereiten. Das Land erlebt die schwerste Dürrekrise seit 126 Jahren.
Staatliche Strategiewende
Nicht nur Freiwillige helfen bei der Renaturierung: Die Regierung kündigte im August an, "natürliche Wasserrückhaltemethoden" zu priorisieren - eine radikale Kehrtwende gegenüber dem bisherigen Wassermanagment. Fast ein Viertel Ungarns liegt in Überschwemmungsgebieten, jahrzehntelang wurden Feuchtgebiete trockengelegt und Flüsse begradigt, um mehr Land für die Landwirtschaft zu erschließen.
Totale Trockenheit
Gerade die Landwirtschaft, eine der tragenden Säulen der ungarischen Wirtschaft, trifft die Trockenheit jetzt am stärksten. Die Dürreschäden würden das Wirtschaftswachstum 2026 um 0,4 Prozentpunkte verringern, erklärte die ungarische Zentralbank. Bereits im letzten Jahr herrschte in Ungarn Dürre. Fluss- und Seebetten wie dieses sind mittlerweile teilweise komplett ausgetrocknet.
Winter ohne Wasser
Auch im Winter blieb der Regen aus: Landwirt Oszkar Nagyapati, Mitglied der "Wasserwächter", füllt im Dezember 2025 eine Wassertränke für Tiere. "Wir haben unsere Flüsse begradigt, was dazu führt, dass sie schneller fließen und das nahegelegene Grundwasser entziehen“, erklärte Diana Ürge-Vorsatz, Professorin an der Central European University in Wien, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Hoffnung Hightech-Hanf
Viele Landwirte haben inzwischen den wasserintensiven Anbau von Mais aufgegeben. Forschende erproben dürreresistente Nutzpflanzen, so wie diesen Industriehanf in einem Labor der MATE-Universität in Godollo. Doch laut Professorin Ürge-Vorsatz ist das Wichtigste, "die ursprünglichen natürlichen Bedingungen so weit wie möglich wiederherzustellen, um das Grundwasser im Winter und Frühjahr zu halten."
Tun, was geht
Forstingenieur Bence Bardos (mit dem Rücken zur Kamera) begutachtet einen selbstgebauten Staudamm der "Wasserwächter". Die Dürre sei Folge des menschengemachten Klimawandels und der besonderen geografischen Lage Ungarns im Karpatenbecken. Daran könne man wenig ändern, doch Bardos hofft, die Situation wenigstens durch kleine Schritte etwas verbessern zu können, erklärt er gegenüber Reuters.