Prämie fürs Foto: Wie Borneo seine Tiere schützt
In Indonesien werden aus Jägern Artenschützer. Dorfbewohner verdienen Geld, indem sie seltene Tiere fotografieren, statt sie zu jagen. Das schützt bedrohte Arten und schafft zugleich neue Einkommensmöglichkeiten.

Objektiv statt Zielfernrohr
Der Indonesier Octavius streift täglich durch den Regenwald Borneos und fotografiert mit seinem Smartphone Orang-Utans, Affen und Vögel. Damit verdient er Geld, genauso wie Hunderte andere Dorfbewohner. Sie sind Teil eines Naturschutzprogramms, das Menschen dafür bezahlt, Tiere zu fotografieren und zu schützen, statt sie zu jagen.
Bewusstsein schaffen
Teilnehmer des KehatiKu-Projekts lernen, Wildtiere aufzuspüren und ihre Beobachtungen mit Fotos oder Tonaufnahmen zu dokumentieren. Bezahlt wird je nach Seltenheit des Tieres. Für einen häufig vorkommenden Vogel gibt es 5.000 Rupiah (umgerechnet etwa 30 Cent), für die Sichtung eines bedrohten Orang-Utans bis zu 130.000 Rupiah.
Vom Aussterben bedroht
Im indonesischen Teil Borneos lebt der vom Aussterben bedrohte Borneo-Orang-Utan. Seine Heimat sind vor allem die Regenwälder der Insel. Doch die werden durch Abholzung und die Umwandlung in Nutzflächen immer kleiner. Zusätzlich bedroht Wilderei die Tiere.
Win-Win Situation
Vielen Frauen in den Dörfern ermöglicht das Projekt eine größere Unabhängigkeit. Mit den Tierbeobachtungen verdienen sie eigenes Geld und sind finanziell weniger von ihren Partnern abhängig. Einige berichten zudem, dass ihnen die täglichen Streifzüge durch den Wald auch gesundheitlich guttun.
Schützen statt vertreiben
Wildschweine, wie hier das Bartschwein, galten früher als Schädlinge und wurden gejagt. Heute nutzen manche Dorfbewohner das Projekt für einen guten Nebenverdienst, wenn sie auf den Feldern arbeiten. Fotos oder Audioaufnahmen sind schließlich schnell gemacht. Finanziert wird das Projekt durch internationale Fördergelder, die den Betrieb und die Prämienzahlungen bis 2028 sichern.
Unterstützung durch KI
Fotos oder Tonaufnahmen von Tieren laden die Dorfbewohner per App hoch. Eine KI prüft Art und Duplikate, Fachleute verifizieren jede Sichtung. Nur bestätigte Beobachtungen werden bezahlt. So soll sichergestellt werden, dass jede Prämie auf einer echten Beobachtung beruht.
Wissen wird weiter vermittelt
Im Schulungsraum hängt eine große Schautafel mit Fotos und Namen der wichtigsten Tierarten. Sie zeigt, für welche Tiere es Prämien gibt, und hilft den Teilnehmenden, sie schnell zu erkennen. Das visuelle Lexikon erleichtert nicht nur das Hochladen per App, sondern vermittelt auch Wissen über die heimische Tierwelt.