Referendum: Mehrheit Albertas will weiter zu Kanada gehören
20. Oktober 2026
Die Einwohner der ölreichen Provinz Alberta wollen mehrheitlich Kanadier bleiben. Mehr als 76 Prozent der Wähler stimmten laut vorläufigen Teilergebnissen gegen eine mögliche Abspaltung, wie die Wahlbehörde nach Auszählung von rund 60 Prozent der Wahlkreise bekanntgab.
Bei der Volksabstimmung am Montag ging es darum, ob Alberta ein zweites verbindliches Referendum zur Trennung von Kanada anstreben soll, sowie um neun weitere Fragen zur Einwanderung und zur Verfassung. Die Provinz liegt im Westen des Landes und gilt als besonders konservativ. Viele Unabhängigkeitsbefürworter sind der Ansicht, dass Alberta wirtschaftlich einen großen Beitrag zum Wohlstand Kanadas leistet, von der Regierung in Ottawa aber politisch benachteiligt wird.
Umfragen hatten zuletzt bereits eine große Mehrheit für den Verbleib als Teil Kanadas gesehen - etwa 70 Prozent. Auch die beide großen politischen Parteien des Landes hatten sich immer wieder deutlich gegen eine Abspaltung ausgesprochen. Das endgültige Ergebnis der Abstimmung soll nach Angaben der Wahlbehörde am 29. Oktober veröffentlicht werden.
Ergebnis stärkt Kanadas Regierungschef Carney
Aus der US-Regierung von Präsident Donald Trump war im Vorfeld des Referendums Unterstützung für die Unabhängigkeitsbewegung gekommen. Das nun so klare Ergebnis stärkt vor dem Hintergrund von Trumps Annexionsdrohungen und einem Handelskrieg mit Washington das Bestreben von Premierminister Mark Carney, die nationale Einheit zu wahren.
Kanada sei so viel mehr als die Summe seiner Teile, schrieb Carney auf der Online-Plattform X. "Jetzt haben wir die Chance, all das, was uns als Kanadiern gegeben wurde - und uns wurde das großartigste Land der Welt geschenkt - zu nutzen und unser Land für uns alle besser zu machen."
Danielle Smith, die Premierministerin von Alberta, zeigte sich ebenfalls erfreut über die ersten Ergebnisse der Abstimmung. "Die Einwohner Albertas haben für ein stärkeres Alberta in einem vereinten Kanada gestimmt", schrieb sie auf X.
Separatisten wollen nicht aufgeben
In der Provinzhauptstadt Edmonton herrschte gedrückte Stimmung bei den Befürwortern einer Loslösung von Kanada. Er sei "enttäuscht von seinen Mitbürgern", sagte der Separatist Jour Dain. Er erwäge, in die USA auszuwandern.
Der führende Separatist Keith Wilson sagte laut dem Sender CBC, dass die Sorgen, die sich die Menschen in Alberta hinsichtlich ihres Platzes innerhalb Kanadas machten, nicht mit diesem Referendum enden würden. "Die Debatte über Albertas Zukunft in Kanada - über unseren Platz und unsere Rolle in Kanada - wird weitergehen", so Wilson. Die Separatisten hatten bereits im Voraus angekündigt, auch ein Referendum, das gegen sie ausgeht, nicht als Ende ihrer Bestrebungen zu sehen.
Zentrum der Erdöl-und Erdgasindustrie
Die Provinz Alberta mit rund fünf Millionen Einwohnern ist das Zentrum der kanadischen Erdöl- und Erdgasindustrie und verfügt über riesige Ölsandvorkommen. Die Klimapolitik der kanadischen Bundesregierung, etwa CO2-Abgaben und Vorgaben für die Energiebranche, wird von Separatisten als Angriff auf die wirtschaftliche Grundlage der Provinz betrachtet.
In Kanada hat es in der Vergangenheit bereits zwei Unabhängigkeits-Referenden gegeben - allerdings beide in der französischsprachigen Provinz Québec. Dort geht es weniger um wirtschaftliche Fragen als um sprachliche und kulturelle Unterschiede. Anfang Oktober ging dort die separatistische Parti Québécois als stärkste Kraft aus der Regionalwahl hervor. Sie strebt ein weiteres Referendum über die Unabhängigkeit der Provinz an. Umfragen zufolge gibt es dafür derzeit allerdings ebenfalls keine Mehrheit in der Bevölkerung.
gri/fab (dpa, afp, rtr)