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Roma gegen Hitler: Tschechien würdigt Widerstandskämpfer

Lubos Palata (aus Prag)
19. Oktober 2026

Mehr als 1.400 Roma kämpften in der Tschechoslowakei gegen die deutsche Nazi-Besatzung. Eine neue Ausstellung in Prag erzählt von Partisanen und Soldaten, deren Schicksale jahrzehntelang kaum Beachtung fanden.

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Ein altes Kriegsmotorrad mit einem Gewehr und einem Stahlhelm darauf, im Hintergrund ein großes Plakat mit einem Porträt eines Mannes in Uniform und seinem Namen (Vojtech Fabian)
Exponate der Ausstellung über tschechische und slowakische Roma-Widerstandskämpfer gegen die deutschen Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg in Prag, die am 15.10.2026 eröffnet wurdeBild: Luboš Palata/DW

Für mehr als eine halbe Million Roma in Tschechien und der Slowakei war der 15. Oktober 2026 ein bedeutender Tag. An diesem Tag wurde im Prager "Museum der nationalen Wiedergeburt der Roma" eine Ausstellung über ein weitgehend vergessenes Kapitel tschechoslowakischer Geschichte eröffnet - eine Ausstellung über tschechische und slowakische Roma-Widerstandskämpfer während der nationalsozialistischen deutschen Besatzung und Zerschlagung der Tschechoslowakei von 1938 bis 1945.

Bislang tauchten die tschechischen und slowakischen Roma in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs fast ausschließlich als Opfer des Holocausts an Roma und Sinti auf. Im sogenannten Protektorat Böhmen und Mähren ermordeten die deutschen Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs rund neunzig Prozent der tschechischen Roma.

Weniger bekannt ist, dass eine große Zahl tschechischer und slowakischer Roma als Partisanen in Widerstandsgruppen und Soldaten der tschechoslowakischen Untergrundarmee (Verteidigung der Nation, ON) gegen die deutschen Besatzer kämpften. Dokumentiert sind die Beispiele von mehr als 1400 Personen. Diesem Kapitel des bewaffneten Widerstands der Roma gegen die Nazis ist die Ausstellung im Museum der nationalen Wiedergeburt der Roma gewidmet.

Eine Gruppe von Menschen, vorn in der Mitte ein Priester, neben ihm ein Mann der eine lange Stange in der Hand hält, im Hintergrund eine Wand aus roten Ziegelsteinen
Eröffnung der Ausstellung „Roma-Helden des Widerstands“ am 15.10.2026 in Prag im "Museum der nationalen Widergeburt der Roma", vorn links der Museumsdirektor Emil ScukaBild: Luboš Palata/DW

Sie markiert einen Wendepunkt der Sichtweise auf die Roma während des Zweiten Weltkriegs - so hofft es jedenfalls der Museumsdirektor Emil Scuka, Jurist, ehemaliger Staatsanwalt und einer der bekanntesten tschechischen Roma-Aktivisten. "Wir waren nicht nur Opfer, wir waren auch Helden", sagte Scuka bei der Eröffnung der Ausstellung. "Dass wir Roma gegen den Nationalsozialismus gekämpft haben, wissen viele Menschen nicht, nicht einmal unter den Roma selbst."

Auch Roma haben Helden

Der Museumsdirektor Emil Scuka sprach vor mehreren hundert Teilnehmern der Vernissage, bei denen es sich überwiegend um Roma aus Tschechien und der Slowakei handelte. Die Ausstellung zu konzipieren und zu eröffnen, so Scuka, "war etwas, was meine Generation diesen Roma-Helden schuldig war, und diese Schuld begleichen wir heute". Der Museumsdirektor forderte die Anwesenden auf: "Bringen Sie Ihre Kinder und Enkelkinder hierher, damit sie sich ein Bild machen und erkennen, dass auch die Roma ihre Helden haben!"

Scuka wies auch darauf hin, dass dieses Thema in der tschechischen und slowakischen Geschichtsschreibung jahrzehntelang völlig am Rande des Interesses gestanden habe und Roma daher selbst beschlossen hätten, die Schicksale ihrer Kriegshelden eigenständig zu dokumentieren.

Die Ausstellung zeigt die detaillierte Lebensgeschichten von 100 der bedeutendsten Roma-Partisanen und Roma-Soldaten der tschechischen Untergrundarmee und der Widerstandgruppen, die gegen den Nationalsozialismus kämpften. "Wir haben in den Archiven über 1.400 Roma-Kämpfer gefunden. Davon haben wir für diese Ausstellung die hundert interessantesten Schicksale ausgewählt", sagte der Kurator der Ausstellung, Radoslav Scuka, bei der Eröffnung.

Keine Forschung zum Thema

Zu diesen Persönlichkeiten gehört beispielsweise Anton Facuna, ein Unteroffizier des amerikanischen Geheimdienstes OSS, der im Oktober 1944 mit einer geheimen Mission per Flugzeug in die Slowakei gebracht wurde - die von 1939 bis 1945 ein Marionettenstaat Hitlers war.

Ein Foto-Standbild eines Mannes in Uniform (Anton Facuna), im Hintergrund Plakate, auf denen sein Name steht
Auf Plakaten und mit einem Standbild wird im "Museum der nationalen Wiedergeburt der Roma" in Prag das Leben des Roma-Widerstandskämpfers Anton Facuna erzähltBild: Luboš Palata/DW

Ein weiterer ist Josef Serinek, bekannt unter dem Spitznamen "Der schwarze Partisan aus der Vysocina", dem die Flucht aus dem nationalsozialistischen Konzentrationslager für Roma in Lety gelang und der anschließend in der Böhmisch-Mährischen Hochebene die große Partisaneneinheit "Capajev-Cerny" gründete und befehligte. Im Jahr 2022 verlieh ihm der tschechische Präsident Milos Zeman posthum die Medaille für Heldentum. Am Ende seines Lebens teilte Serinek seine Erinnerungen mit dem Historiker Jan Tesar, der daraufhin das dreiteilige Buch "Ceská cikanska rapsodie" (Tschechische Zigeuner-Rhapsodie) verfasste.

Mit Ausnahme von Tesars Buch wurde die Geschichte des Roma-Widerstands gegen den Nationalsozialismus von tschechischen und slowakischen Historikern bis heute nicht erforscht. "Mir ist keine wissenschaftliche historische Arbeit bekannt, die sich mit dem Widerstand der Roma gegen den Nationalsozialismus befasst", sagte Prokop Tomek, Historiker am Militärhistorischen Institut in Prag, der DW.

"Die Schätzung von 1400 Roma, die sich in den Reihen der Widerstandskämpfer und der ausländischen Armee am Kampf gegen den Nationalsozialismus beteiligt haben, erscheint mir nicht übertrieben und entspricht dem Anteil der Roma-Bevölkerung in der Tschechoslowakei", kommentiert Tomek die Schätzungen der Organisatoren der Ausstellung im Prager Roma-Museum. "Die Ausstellung über den Widerstand der Roma gegen den Nationalsozialismus während des Krieges ist zweifellos bahnbrechend", fügt Tomek hinzu.

Angst, sich als Roma zu bekennen

Viele Roma in Tschechien und der Slowakei bekennen sich bis heute öffentlich nicht zu ihrer ethnischen Zugehörigkeit. Dies liegt auch an den über Generationen weitergegebenen Erfahrungen mit dem Holocaust während der nationalsozialistischen Zeit. Tschechische Historiker und Politiker streiten bis heute darüber, inwieweit die tschechischen Behörden des Protektorats an der Vernichtung der tschechischen Roma beteiligt waren. Soviel ist jedoch klar: Die in der Tschechoslowakei seit 1927 gesetzlich verankerte polizeiliche Erfassung aller Roma erleichterte den deutschen Nationalsozialisten die Vernichtung der Volksgruppe.

Ein Museumsraum mit Ausstellungsstücken, darunter eine männliche Figur, ein Tarnnetz, ein Radioempfänger, eine Pistole und ein Feldtelefon
Raum mit Exponaten der Ausstellung „Roma-Helden des Widerstands“ im Prager Museum der nationalen Wiedergeburt der Roma"Bild: Luboš Palata/DW

Nach Schätzungen der tschechischen Regierung leben im Land heute rund 250.000 Roma. Bei der Volkszählung im Jahr 2021 gaben jedoch nur 21.000 Personen diese ethnische Zugehörigkeit an, also weniger als ein Zehntel der tatsächlichen Zahl. Von allen ethnischen Gruppen im zehn Millionen Einwohner zählenden Tschechien gehören die Roma zwar zu den drei zahlenmäßig stärksten ethnischen Minderheiten, sind jedoch sozial am schlechtesten gestellt, verfügen nur über sehr wenige politische Vertretungen und sind daher in der tschechischen Politik nur wenig präsent.

Zwei wichtige Gremien für Roma in Tschechien sind der Regierungsrat für Roma sowie die Regierungsbeauftragte für Roma-Angelegenheiten. Im Juni 2026 traten die Beauftragte Lucie Fukova und sechs Roma-Vertreter des 15-köpfigen Regierungsrats zurück, weil die Kompetenzen für Roma-Angelegenheiten von der gesamten Regierungsebene auf eine niedere Ebene in das Arbeitsministerium verlagert worden waren. Daran hatte unter anderem der tschechische Ombudsmann Kritik geübt. Auch viele Roma-Aktivisten sehen darin eine Schwächung der Roma-Agenda auf Regierungsebene.

Dass die rechtsliberal-populistische Regierung des Premiers Andrej Babis Roma-Angelegenheiten keine besondere Aufmerksamkeit widmet, war auch am Freitag bei der Ausstellungseröffnung zu erkennen: Einen Vertreter oder eine Vertreterin hatte die Regierung nicht entsandt.

Porträt eines Mannes mit blondem Haar, er trägt ein weißes Hemd und ein blau-schwarz kariertes Sakko
Lubos Palata Korrespondent für Tschechien und die Slowakei, wohnhaft in Prag