Borneo: Wie Orang-Utans vor Waldbränden gerettet werden
Auf Borneo geraten Orang-Utans zunehmend unter Druck: Waldbrände verheeren ihren Lebensraum im indonesischen Teil der Insel. Immer mehr Tiere müssen nun in einem Rehabilitationszentrum aufgenommen werden.

Indonesiens Wälder stehen in Flammen
Seit Juli wüten heftige Waldbrände auf Borneo und Sumatra. Durch ein starkes El-Niño-Wetterphänomen könnten die Feuer laut Regierung noch bis November andauern. Besonders bedroht sind die Orang-Utans. Alle drei Arten weltweit leben ausschließlich auf diesen beiden Inseln, wo die Brände ihren ohnehin schwindenden Lebensraum weiter zerstören.
Im Einsatz für Orang-Utans in Not
Die Stiftung Yayasan Inisiasi Alam Rehabilitasi Indonesia (YIARI) setzt sich in Ketapang, in der indonesischen Provinz West-Kalimantan, für die Rettung und Rehabilitation von Orang-Utans ein. Die zunehmende Zahl an Rettungseinsätzen zeigt das Ausmaß der Krise. Seit August hat YIARI 49 Orang-Utans aufgenommen und versorgt damit inzwischen 90 Tiere.
Wenn Nahrung und Lebensraum knapp werden
"Ich denke, bisher sieht es ganz ähnlich aus wie bei den Bränden von 2015", sagt Karmele Llano Sanchez, Mitbegründerin des Rehabilitationszentrum, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Es ist möglich, dass die Orang-Utans in den kommenden Monaten auch darunter leiden werden, nicht genug Nahrung zu haben, nicht genug Platz und Lebensraum zu haben und zu verhungern."
Rettung aus der Luft und am Boden
Erhalten die Freiwilligen von YIARI Hinweise auf Orang-Utan-Sichtungen, erkunden sie die abgebrannten Waldflächen mithilfe von Drohnen, um die Tiere aufzuspüren. Die Rettungsteams fahren oft stundenlang zu den betroffenen Gebieten. Mit Betäubungsmitteln ausgerüstet, suchen sie nach den Tieren und fangen sie bei Bedarf mithilfe von Netzen ein, um sie aus der Gefahrenzone in Sicherheit zu bringen.
Mit vereinten Kräften Leben retten
Die Stiftung beschäftigt mehr als 200 Mitarbeiter, darunter Feuerwehrleute und Tierärzte. "In vielen Gebieten brechen Brände aus. Infolgedessen werden die Orang-Utans in Plantagen vertrieben", sagt Relly Susanto, ein YIARI-Patrouillenmitglied. Nach der Rettung werden die Menschenaffen in Transportkäfigen sicher zum Rehabilitationszentrum gebracht.
Wenn jede Hilfe zu spät kommt
Der Orang-Utan Sampurna wurde im August schwer atmend in einer Palmölplantage gefunden. Doch für ihn kam jede Hilfe zu spät. Weniger als zwölf Stunden nach seiner Rettung starb er an schweren Atemwegsproblemen. Bei der Obduktion zeigten sich stark geschädigte Lungen, die laut der behandelnden Tierärztin denen eines starken Rauchers ähnelten.
Rauch und Smog mit weitreichenden Folgen
Von Januar bis Juli dieses Jahres brannten in Indonesien rund 200.000 Hektar Wald und andere Flächen ab. Für die Folgemonate fehlen offizielle Zahlen. Nichtregierungsorganisationen schätzen, dass mindestens weitere 600.000 Hektar zerstört wurden. Der Rauch breitete sich bis nach Singapur und Malaysia aus und führte zu Schulschließungen sowie einem deutlichen Anstieg von Atemwegserkrankungen.
Ein Überlebenskampf im schwindenden Wald
"Ich denke, generell sehen wir, dass diese Orang-Utans, die in diesen Waldresten überlebten, nun mitansehen müssen, wie diese Waldreste immer kleiner werden", sagt Sanchez. Derzeit hat YIARI noch genügend Kapazitäten, um weitere Tiere aufzunehmen. Doch solange die Brände unvermindert weiterwüten, bleibt ungewiss, wie lange das Zentrum dieser Aufgabe noch gewachsen ist.
Die Rettungsstation am Limit
"Eine unserer Sorgen ist, ob wir genügend Kapazitäten haben werden, um wirklich alle diese geretteten Orang-Utans in der Einrichtung unterzubringen", betont Sanchez. Zwar ist auch YIARI vom Rauch betroffen, doch droht dem Zentrum selbst derzeit keine unmittelbare Gefahr durch die Brände. Einige gerettete Tiere konnten bereits an sichereren Orten wieder ausgewildert werden.