Indonesien: Erst Feuer, dann Flut
Monatelange Waldbrände forderten tausende Opfer und lösten eine Smog-Krise in der gesamten Region aus. Die nun einsetzende Regenzeit bringt zwar Erleichterung, doch Sturzfluten führen zur nächsten Notlage.

"Gott sei Dank: endlich Regen!“
Feuerwehrleute feiern Ende Oktober auf Borneo die ersten Regenfälle seit Monaten. "Jeder von uns war so froh, dass wir uns aus Dankbarkeit zu Boden geworfen haben. Gott sei Dank gibt es endlich Regen“, sagte Feuerwehrmann Lukman El Hakim gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Das Klimaphänomen El Niño hatte den Beginn der Regenzeit auf der indonesischen Insel um mehrere Wochen verzögert.
Unermüdlicher Einsatz
David gegen Goliath: Mit einem Ast bekämpft ein Mann einen Torfbrand. Seit August wüteten vor allem auf Borneo und Sumatra verheerende Wald- und Flächenbrände, die bis Ende September schon fast zwei Millionen Hektar Land vernichteten. Durch die Feuer entstanden riesige Mengen an dichtem Smog und gefährlichem Feinstaub. Der Regen bringt nun endlich Erleichterung.
Historischer Höchstwert
Schlechte Aussichten: Palangkaraya auf Borneo ist Mitte Oktober in toxischen Smog gehüllt. Der Luftqualitätsindex erreichte hier im Oktober den historischen Höchstwert von 4.000 - das 13-fache des Grenzwerts, ab dem die Belastung als "gesundheitsgefährdend" eingestuft wird. Allein im September soll der Smog landesweit rund 3560 Todesfälle verursacht haben.
Dichte Dunstglocke
Der Smog erreichte auch die Nachbarländer: Die Skyline von Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur war zeitweise kaum noch zu erkennen. Auch in Singapur, auf den Philippinen und in Osttimor war die Luftqualität massiv beeinträchtig - das führte zu diplomatischen Spannungen. Indonesien wehrte sich gegen Kritik aus den Nachbarstaaten. Singapur und Malaysia forderten konkretere Brandbekämpfungsmaßnahmen.
Schmutziger Schulweg
Aufgrund der extremen Luftverschmutzung wurde der Präsenzunterricht an zahlreichen Schulen vorübergehend ausgesetzt, um Kinder und Jugendliche vor den giftigen Feinstaubpartikeln zu schützen. Nicht nur indonesische Kinder waren betroffen: Auch in Malaysia und Osttimor blieben die Schulen im Oktober teils landesweit geschlossen.
Lebensgefährliche Löscharbeiten
Ein Feuerwehrmann wird wegen einer Rauchvergiftung mit Sauerstoff versorgt. Mindestens elf Feuerwehrleute und Ranger kamen bei den Löscharbeiten ums Leben. Allein in Palangkaraya wurden mehr als 11.000 Menschen wegen Atemwegsbeschwerden behandelt. Als Hauptursache für die verheerenden Brände gelten illegale Brandrodungen zur Landgewinnung durch Holz-, Palmöl- oder Bergbauunternehmen.
Fatale Flammen
Kein Stein mehr auf dem anderen: Der Ort Simpang Rimba auf Sumatra wurde von den Flammen fast vollständig zerstört. Und noch immer sind nicht alle Waldbrände vollständig gelöscht: In einigen Regionen schwelen die Brände trotz der nun einsetzenden Regenfälle unterirdisch in den ausgetrockneten, metertiefen Torfböden weiter.
Vom Smog zur Sturzflut
Die Regenfälle sorgten dafür, dass sich der giftige Smog deutlich legte. Sie sind jedoch ein zweischneidiges Schwert: In verschiedenen Provinzen kam es in den vergangenen Tagen zu Sturzfluten, heftigen Überschwemmungen und Erdrutschen. Hier am Vulkan Semeru in Ost-Java hat der Starkregen gefährliche Schlammströme ausgelöst.
Erdrutsche statt Erleichterung
Die indonesische Katastrophenschutzbehörde BNPB warnt vor weiteren Sturzfluten, weil die verbrannten und ausgetrockneten Böden die plötzlichen Wassermassen nicht aufnehmen können. Zudem sorgt die Verzögerung der Regenzeit durch El Niño dafür, dass während des Monsuns mehr Niederschlag in kürzerer Zeit fällt. In mehreren Provinzen laufen bereits Evakuierungsmaßnahmen.