Italienische Reisbäuerin schafft Platz für die Natur
In Norditalien verwandelt die Landwirtin Alice Cerutti Reisfelder zurück in Feuchtgebiete. Statt maximaler Erträge setzt sie auf Artenvielfalt und zeigt, wie Landwirtschaft und Naturschutz zusammengehen können.

Platz für Moor
Vor 400 Jahren verwandelten Mönche ein Sumpfgebiet im Nordwesten Italiens in Reisfelder. Die Landwirtin Alice Cerutti hat inzwischen ein Drittel dieser Flächen wieder in ihren natürlichen Zustand zurückgeführt. Statt auf maximalen Ertrag setzt sie auf den Schutz der Artenvielfalt.
Biotop im trockenen Ackerland
Goldene Reisfelder prägen die Ebene von Vercelli zwischen Mailand und Turin. Nur die von Alice Cerutti angelegten Wäldchen und Feuchtgebiete durchbrechen die Agrarlandschaft. "Wir haben mehr als 10.000 heimische Pflanzen gesetzt, darunter Eichen, Erlen, Eschen und Hainbuchen. Es ist erstaunlich, wie schnell die Natur darauf reagiert", sagt Cerutti.
Rückkehr der Insekten
Seit der Anpflanzung der ersten Bäume hätten Schmetterlinge, Libellen und die Artenvielfalt insgesamt deutlich zugenommen, sagt die 43-jährige, die den Familienhof Cascina Oschina 2012 übernommen hat. Auf den umliegenden Feldern baut sie roten und schwarzen Reis sowie alte Sorten an, die widerstandsfähiger sind. Sie liefern zwar geringere, dafür aber hochwertigere Erträge.
Natürlicher Dünger
Ihren Carnaroli Classico baut Cerutti ganz ohne chemischen Dünger an. Stattdessen setzt sie auf Gründüngung und Hülsenfrüchte. Zwischen den Reisernten weiden nicht nur Esel, sondern auch rund 1200 Schafe auf den Feldern. Ihre Ausscheidungen düngen den Boden auf natürliche Weise.
Veränderung im Reis-Anbau
Italien ist Europas größter Reisproduzent. Doch billige Importe, steigende Kosten und zunehmende Dürren setzen die Branche unter Druck. Laut dem Verband Coldiretti könnten in diesem Jahr hitzebedingt rund 25 Prozent der Ernte ausfallen. Um Wasser zu sparen, erproben Reisbauern nach Jahrhunderten des Anbaus in der Po-Ebene nun die Direktsaat auf trockenen Böden.
Reissorten aus Italien
Die Überflutung der Reisfelder trage dazu bei, das Grundwasser anzureichern, erklärt Agronom Giovanni Molina. Der zunehmende Anbau von Reis auf trockenen Böden spare vermeintlich Wasser, könne die fruchtbare Po-Ebene langfristig jedoch in eine Wüste verwandeln. Auch Landwirtin Alice Cerutti, die Reis nach Großbritannien, Dubai und in die USA exportiert, leidet unter den Folgen der Hitze.
Widerstandsfähiger gegen Dürren
Die historischen Reissorten sind widerstandsfähiger gegen Dürren und extreme Hitze. Besonders Carnaroli Classico profitiert von seinen feinen Grannen, die vermutlich vor Hitze und Kälte schützen. Zudem hilft eine biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung, etwa die frühzeitige Überflutung der Felder, Dürren besser zu überstehen, wie Cerutti erläutert.
Freude an der Renaturierung
Cerutti, deren Hof als EU-Schutzgebiet ausgewiesen ist, will Einnahmeverluste durch den Verzicht auf Reisflächen mit Bildungsangeboten für Schulen und Wissenschaftler sowie mit Gästeunterkünften ausgleichen. Viele Berufskollegen hielten sie für verrückt, sagt sie. Doch die Wiederbelebung der Natur erfülle sie mit Freude.